Vernissage · 8. Dezember · 20 Uhr

Passanten &
Bilder aus der Registratur des Nachdenkens

Ausstellung von Thomas Bachler & Hermann Stamm
8. Dezember – 31. Dezember 2018

 

Thomas Bachler
Passanten
2000 Fotografien aus 40 deutschen Städten
2014 – 2018
Beamer-Show

Es ist der kurze, flüchtige Moment der Begegnung, für den sich Thomas Bachler interessiert. Auf der Straße, im Bahnhof, im Park – überall kommen einem Menschen entgegen. Für einen Sekundenbruchteil schaut man einander an, dann geht jeder weiter seiner Wege und hat den jeweils anderen schnell wieder vergessen. Es sei denn, man hält diesen diesen Moment fotografisch fest.

Seit vier Jahren fotografiert Thomas Bachler Passanten. Er beschränkt sich dabei auf Deutschland und hier auf wirklich belebte, öffentliche Orte. Die Szenen wie auch die abgebildeten Menschen erscheinen völlig vertraut und, soweit man das sagen kann, durchaus „normal“. Es geht Bachler nach eigener Aussage gerade um diese Normalität, die bei näherem Hinsehen erstaunlich vielseitig ist. Und zugleich liegt gerade darin etwas Geheimnisvolles. Beim Betrachten der Fotos stellt sich die Frage, ob es so etwas wie den „typischen Deutschen“ gibt und ob man ihn visuell ausmachen kann. Thomas Bachler ist sich da selbst nicht sicher; er versteht die Arbeit in erster Linie als eine Art Kulturdokumentation und verweist darauf, dass sein „Passantenwerk“ gerade erst am Entstehen ist.
K. G. Forsman


Hermann Stamm
Bilder aus der Registratur des Nachdenkens
S/W-Fotografien, ab 1979

Seit 1979 fotografiert Hermann Stamm immer wieder sich selbst. Eine in die Tausende gehende Sammlung ist dabei entstanden. Wir sehen den Fotografen vor der Berliner Mauer, dem World Trade Center in New York, der Napoleon-Büste in Amiens und am Golf von Neapel. Die Zeit spiegelt sich doppelt in den Bildern, auf seinem Gesicht und dem Hintergrund.
Der Fotograf ist der paradoxe, aber konsequente Garant für eine andere Sicht auf die Dinge hinter ihm. Stamm räumt mit der alten Vorstellung auf, dass in der Fotografie die Sache selbst zu Worte käme. Er verdoppelt die Subjektivität des Fotografen, der nicht allein in der Bildgestaltung anwesend ist, sondern der nun auch im Bild nicht zu übersehen ist. Die Bilder aus »Der Registratur des Nachdenkens« von Hermann Stamm machen diese Bedienung der fotografischen Bildgewinnung bereits vor der Digitalisierung deutlich. Man erkennt umgekehrt, dass der Fotograf auch dort im Bild ist, wo er sich nicht selbst abbildet. Stamms Gesicht tendiert dazu, im Auge des Betrachters zu verschwinden. Der Hintergrund will sich, so scheint es, am Kopf vorbei an den Vordergrund schieben. Räumlichkeit vortäuschend, bleibt das Bild auch flach und seine Momente gleich wichtig. Diese Bilder sind Rätselbilder und Parabeln zugleich. Jedes Einzelne erzählt eine Geschichte. Als Rückblicke, die nun bereits einen Zeitraum von über 35 Jahren umfassen, sind sie als Lebensprojekt angelegt, das über das einzelne Leben hinausweist.
Wolfgang Bock

 

Thomas Bachler, geboren 1961, aufgewachsen in Detmold (NRW), studierte an der Kunstakademie Kassel bei Prof. Floris M. Neusüss. Abschluss 1989. Seitdem zahlreiche Ausstellungen, Veröffentlichungen und Lehraufträge im In- und Ausland. Lebt als freier Künstler, Autor und Dozent seit 2004 in Dresden.

→ www.thomasbachler.de

Hermann Stamm, geb. 1953 in Kulmbach. Studium an der FH Würzburg und Abschluss als Diplom Designer. Studium an der Kunstakademie Kassel bei Prof. Floris M. Neusüss Abschluss 1981. Seit 1979 zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, Preise, Auszeichnungen und Veröffentlichungen. Berufung in die DFA 1990 und Berufung als Professor für Visuelle Kommunikation und Fotografie an der Bauhaus Universität Weimar 1993. Leitung der Werkstatt für Fotografie Berlin Kreuzberg mit Thomas Leuner 1985–1987 und langjähriger Dozent. Lehrauftrage u. A. an der FH Würzburg, Bielefeld, Folkwang Universität Essen und an der Europäischen Akademie für bildende Kunst Trier.

→ Wikipedia
→ Universität Weimar

Galerina Steiner | 9 of 36 plus 5

9 of 36 plus 5

Ausstellung von Thilo Moessner & Crawford | Guéneau
20. Oktober - 15. November 2018

Die Ausstellung wird im Rahmen des »Monat der Fotografie-Off« in Berlin gezeigt.

The work of Thilo Moessner and the duo Louise Crawford and Stéphan Guéneau turns the photographic lens round to observe its own recording tools, materials and processes: an analogue world of superseded technologies where a photographic heritage resists and persists. Crawford | Guéneau have created »portraits« of their analogue equipment – using analogue equipment – to archive their former practice. In Thilo Moessner’s images, digital technology appears to have been trapped, captured by light and fixed in one of the earliest and most primitive analogue techniques – the photogram.

In den Arbeiten von Thilo Mössner und dem Duo Louise Crawford und Stéphan Guéneau wird die Fotolinse umgedreht, um die eigenen Aufnahmewerkzeuge, Materialien und Prozesse zu fokussieren: eine analoge Welt von überholten Technologien, in denen sich das fotografische Erbe widersetzt und weiterbesteht. Crawford | Guéneau haben »Porträts« ihres analogen Equipments geschaffen – unter Verwendung analoger Ausrüstung –, um die alten Techniken zu archivieren. In Thilo Mössners Bildern erscheint die digitale Technologie gewissermaßen in die Falle gelockt worden zu sein, mit Licht eingefangen und umgesetzt mit der ältesten und einfachsten Technik – dem Fotogramm.

Galerina Steiner | 9 of 36 plus 5

家園/變異
Heim und Wandlung

Ausstellung kuratiert von Hsuan Huang
27. Juli – 24. August 2018

20.00 Uhr Einführung: Bodo-Michael Baumunk
20.30 Uhr Fünf Performances: das Ernte-Festival

Ausstellung
Hsuan Huang
Chien-Wei Liu
Frederika Tsai
Effie Wu

Ernte-Festival
Lan Hungh
Yu-Chun Lin
Frederika Tsai
Po-Nien Wang
Effie Wu

Ausstellung

Die Ausstellung und die zur Eröffnung gezeigten Performances sind das Werk junger taiwanesischer Künstlerinnen und Künstler, die derzeit in Berlin leben und arbeiten. Sie stammen aus einem Land, das durch seine wechselvolle Geschichte zahlreiche Traditionen und Einflüsse in sich vereint: indigene, chinesische, japanische, europäische, amerikanische. Der Inselstaat Taiwan ist ein »Heim« mit vielen Wohnungen und er hat selbst viele »Wandlungen« durchgemacht – nicht zuletzt zu einem der freiesten Länder Asiens in einer Weltregion, in der die geopolitischen Karten derzeit neu gemischt werden.

Wer wie die Beteiligten an dieser Ausstellung lange im Ausland zugebracht hat, fragt unter solchen Vorzeichen, wieviel von »dort« und wieviel von »hier« nun in ihm steckt. Ja mehr noch: Sind in einer Lebensform der Passage und der nomadischen Existenz am Ende die kulturellen Wurzeln, das »Heimq und die eigene Geschichte kaum mehr als eine Illusion? Etwas, das nur plausibel wird, wenn man sich selbst von außen, gleichsam in der dritten Person zusieht? Oder etwas, das im Dialog mit dem jeweiligen Ort – und gerade ist es Berlin – eine flüchtige Gestalt annimmt?

Galerina Steiner | Philipp Jester

Hsuan Huang
Südwind

Die Installation beschäftigt sich mit der Ausbreitung der austronesischen Sprachfamilie, die von Taiwan ihren Ausgang nahm und sich über die Inselwelt des gesamten Südpazifiks, Südostasiens und bis hin nach Madagaskar verbreitete: der Südwind (lat. „auster“) hat vor Jahrtausenden mutige Seelen hinaus aufs Meer getrieben und eine unsichtbare Spur der Kommunikation über die Ozeane hinweg hinterlassen...

Chien-Wei Liu
Jinshan No.14: Heritage Site Survey

Ein verfallenes Haus im Familienbesitz des Künstlers, errichtet in traditioneller Bauweise aus gestampftem Lehm: Dort »mauert« nun aus dem gleichen heimischen Material die Grabwespe Chalybion japonicum ihre Nester. Diese verwandelt der Künstler erst in Keramik, dann in 3-D-Scans, wie sie heute auch der Restaurierung von Baudenkmälern dienen – eine Reflexion über Natur und Kunst, über Nostalgie und die Bewahrung von Kultur.

Frederika Tsai
Formosa, WTF

Die Künstlerin der Installation kann noch so weit reisen – ein einzelner Buchstabe reist als Erbe ihrer Herkunft immer mit. Wenn sie wütend ist, entfährt ihr ein englischsprachiger Fluch, der so obszön klingt, dass er gern in dem Kürzel »WTF« verschlüsselt wird. Bestimmt hat es mit Taiwans früherem, von den Portugiesen stammendem Namen »Formosa« zu tun, dass sich das »F« in den Gehirnzellen festgesetzt hat!

Effie Wu
Lauf ins Wunderland (Gebrauchsanweisung im Wunderland)

Das Video zeigt, wie die Künstlerin ins/im Wunderland läuft. Egal wie sie läuft, es wird eine hymnische Choreografie. Ein vor Ort aufgenommenes Video während der Eröffnungsperformance.

Fünf Performances: das Ernte-Festival

Lan Hungh (Performance)
Yu-Chun Lin (Geigerin)
Frederika Tsai (Performance)
Po-Nien Wang (Tänzer)
Effie Wu (Video Performance)

Fünf Künstlerinnen und Künstler führen am Eröffnungsabend zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten vor und in der Galerie ihre Performances auf. Zusammen bilden sie das „Ernte-Festival“. Das ist eine Anspielung auf das traditionelle Erntefest, wie es bei den indigenen Völkern Taiwans am Ende des Sommers gefeiert wird. Dank und Opfergabe für eine gute Ernte in all ihrer Vielfalt, die sich hoffentlich auch im nächsten Jahr wiederholt, verbinden sich mit dem ehrenden Gedenken an die eigenen Ahnen – ein Cultus, für das moderne Kulturleben fern und nah zugleich.

Lan Hungh
Missing Link (ab 19:00)

In diesem Stück benutzt Hungh seine Aktionen und seinen Körper als Kommunikationsmaterial, versucht eine Konversation zwischen Raum, Kunst, Publikum und seiner Definition von Kunstkreativität herzustellen. Stille und Abwesenheit sind wichtige Teile der tatsächlichen Handlungen während der Vernissage, zwischen Allem und Nichts.

Po-Nien Wang
The journey of my body in both directions

How long is now? Is now a place? I am traveling in time and space, moving from one place to another place. My body is the sum of my history. And I’m still trying to put into dance with different aspects.

Effie Wu
Lauf ins Wunderland (Gebrauchsanweisung im Wunderland)

Laufen als ein Lebensmarsch. Sowohl im Alltag als auch in den fremden Ort. Man fängt damit an, immer einen neuen Schritt weiter zu kommen. Das Wunderland beschreibt nicht nur eine Fantasiewelt, sondern auch die Zukunft, die uns jede Sekunde passiert, egal wo. Sobald ich einen Schritt mache, erschaffe ich eine neue Welt.
Die Künstlerin bereit sich vor, ins Wunderland zu gehen. Und im Wunderland weiter zu laufen. Die Performance wird aufgenommen, und als Videoinstallation in der Ausstellung gezeigt.

Unterstützer:
Department of Cultural Affairs, Taipei City Government
Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland 
Deutsch-Chinesischen Gesellschaft – Freunde Taiwans

Vernissage · 18. Mai · 19 Uhr

Hipstatile #2

Ausstellung von Erik Sick
18. Mai – 1.Juni 2018

Gerne laden wir Sie/Euch zur Vernissage am 18.Mai ab 19 Uhr und anschliessendem DJSet from »EJ« ein.

Der Kameramann Erik Sick ist weltweit mit Dokumentarfilmproduktionen unterwegs, bei denen er auch kleine Serien mit dem Smartphone fotografiert.

Die gezeigten »drive by shootings«, die aus dem fahrenden Auto heraus während einer Dokumentar­film­produktions­reise in Kenia aufgenommen wurden, zeigen Landschaften, die mit der Foto-App »Hipstamatic« aufgenommen wurden. Diese schnellen, im Vorbeifahren gemachten Snapshots, stehen im Gegensatz zu den aufwendigen Dokumentar­film­produktionen, bei denen die teuersten Kameras und die beste Aufnahmetechnik zum Einsatz kommen. Die Serie ist im Jahr 2015 während einer Produktion über Giraffen in Kenia entstanden. Dabei kennzeichnet diese Landschaftsbilder die vollkommene Abwesenheit dieser Tiere. Auf einer Landstraße von Nairobi zum Lake Elementeita schimmern die Bäume und Strommasten im Sonnenuntergang surreal und erzeugen dabei eine für afrikanische Landschaftsfotografie untypische Stimmung. Dabei wird der oft übliche exotische Folklorekitsch vermieden.

Galerina Steiner | Philipp Jester

Mit einer speziellen Technik werden die Fotos auf Steinfliesen übertragen, was eine manufaktorische Herstellung simuliert, sind die Bilder doch App-Snapshots aus einem Smartphone. Im Gegensatz zu Giraffen sind Smartphones in Afrika allgegenwärtig, sie schließen ihre Besitzer an die globalisierte Welt an. Die Fliesen sind übrigens wasserfest, afrikanische Landschaften zum Abwaschen.

Eine Premiere haben auch die neuen Hipstashirts – model#one von Erik Sick.
Galerina Steiner nun auch in Mode ? Alles neu macht der Mai.

Die Pause des Malers

Ausstellung von Mathias Weis
9. März – 30. April 2018

In Zeiten gelegentlicher Malpausen sammelt Mathias Weis aus Kassel seit dem Winter 2015/2016 Arbeiten unter­schied­lichster Techniken,die sich mit dem Thema der Pause und ihren diversen Facetten beschäftigen: Ölbilder, Bild­aus­schnitte, Fotografien, Installationen, Zeichnungen mit Ölfarbe auf Papier etc. Sie sind entweder für diese Gruppe neu entstanden oder ältere Bilder wurden dafür umgedeutet und bearbeitet. Die Sammlung ist nicht endgültig, einzelne Teile werden immer wieder ausgetauscht und ergänzt, so dass sich über die Jahre verschiedene »Pausenzustände« ergeben haben.

Galerina Steiner | Philipp Jester

Victory Land I

Ausstellung von Philipp Jester
3. November 2017 – 19. Januar 2018

Die Serie »Victory Land« choreografiert foto-dokumentarisches Material über eine Reise von den Ost-Staaten zu den West-Staaten Amerikas im Jahr 2015. Dieser Satz gefolgt von einer Auflistung der auf der Route durchquerten Staaten, welche die Settings der Fotografien bilden ist alles was wir von Philipp Jester an verbalem Zusatz zu seiner Arbeit an die Hand bekommen. Eine klare Beschreibung der Dinge, sachlich, nüchtern wieder. Die Zuschreibung einer rein dokumentierenden Funktion wird den Fotografien von »Victory Land« allerdings kaum gerecht. Vielmehr zeichnen sie mit dem Mittel der Dokumentation ein Portrait einer Nostalgie, die mit den Vereinigten Staaten assoziiert wird. Victory Land. Die Bedeutung der historischen Erfahrung des Sieges spiegelt sich auf disparaten Ebenen in den Fotografien wieder. Das Portrait einer stolzen Supermacht bekommt in der direkten Konfrontation mit ihrem realistischen Abbild einen melancholischen Beigeschmack.

Galerina Steiner | Philipp Jester

Foto:  Bodo Baumunk, Rede zu Victory Land I

Wichtige Papiere

Ausstellung von Gerhard Gerstberger
22. September – 31.Oktober 2017

Gehrhard Gerstberger aus München zeigt Zeichnungen mit dem Titel »Wichtige Papiere«. Reisepässe und Klopapier sind die Zeichengründe für Gerstbergers Arbeiten die ertsmals in Berlin zu sehen sein werden.

Einführung: Claudia Fischer »Only Hyenas laugh for fun.«

Galerina Steiner | Gerhard Gerstberger

Kino, Kunst & Kalkohol

Ausstellung, Film und Sommerfest
25. August – 15. September 2017

Sammlung Steiner in der Galerina Steiner: Ausstellung mit Arbeiten von 18 Künstlern.

mit Thomas Bachler, Susanne S.D. Themlitz, Roger Libesch, Paul Mayer, Cora Franke, Katja Geis, Claus Goedicke, Johannes Lortz, Ludwig Bette, Kathrin Günther, Tomas Morell, Jörn Budesheim, Ioni Laibaroes, Andreas Gursky, Stefan Reusse, Uwe Bauer, Tilman Knop, Edwin Dickman, Erik Sick.

Ab 22 Uhr Open Air Filmvorführung des Films »Time of the Gypsies« von Emir Kustorica. Martin Mallon gibt hierzu eine Einführung und begleitet durch die anschließende Diskussion.

Galerina Steiner | Paul Mayer Hchstand

Time of the Gypsies

Emir Kusturicas Time of the Gypsies ist ein anarchischer Liebesfilm, ein wildes Märchen, quer durch alle möglichen und unmöglichen Zustände des Lebens. Perhan, ein junger Roma und bester Freund eines Truthahns, lebt mit seiner Geschichten erzählenden Großmutter und seiner kranken Schwester in einem Roma-Dorf. Zwar spielt er Akkordeon und kann sogar zaubern, doch das Mädchen, das er liebt, darf er trotzdem nicht heiraten. Und als nach einer Fehde das Haus seiner Familie in Flammen steht, entschließt er sich zum »reichen Ahmed« nach Italien zu gehen. Doch Ahmed ist wie der Teufel und schon bald verliert sich Perhan in einem Strudel aus Macht und Gier. Vollgesogen mit Geschichten, Träumerei und Wahnsinn ist Time of the Gypsies ein wenig wie die Menschen, von denen er erzählt: ein Meisterwerk der Korruption durch das Phantastische, ein wahrer Sturmlauf auf die Sinne und den gesunden Menschenverstand – eben ein echter Liebesfilm.

— Martin Mallon

25. August: Dauernd, gleichzeitig und von Anfang bis zum Schluß, Sommerfest zum 5 jährigen Galeriejubiläum mit Barbecue und kühlen Getränken, was will man mehr.

Hochstand

Ausstellung und Buchpräsentation von Paul Mayer
5. Mai – 25. Juni 2017

Klammheimlich stehen die hölzernen Gestelle am Waldrand, ganz unscheinbar lehnt eine mit Stöcken zusammen gezimmerte Leiter an einem Baum. Oftmals verstecken sich die kühnen Konstruktionen im dichten Gestrüpp, während imposante Kanzeln auf offenem Feld Posten beziehen. Es geht um Architektur - um die ganz unscheinbare, kaum als solche wahrgenommene Architektur der jagdlichen Ansitzeinrichtungen: Standardkanzel aufgebockt, Scherenleiter mit Stützbock vorne, Leiterklappsitz oder Drückjagdkanzel unterscheidet der Waidmann. Dabei ist die Gestaltungsvielfalt der Hochstände schier unerschöpflich - eigenwillige, bisweilen skurrile und waghalsige Bauwerke schmiegen sich selbstgenügsam in die Landschaft.

Galerina Steiner | Paul Mayer Hchstand

Die Fotografien von Paul Mayer fangen den ästhetischen Reiz der meist hoch aufragenden Jägersitze ein. Sie zeigen keine nüchternen Abbildungen, keine klassischen Architekturaufnahmen, sondern eine abstrakt gehaltene, fast typisierte Landschaftsfotografie. Die konzentrierten und zugleich kontemplativen Aufnahmen in Schwarzweiß unterstreichen in ihrer formalen Reduktion die anarchische Qualität der Bauwerke und entführen den Betrachter in ein ungeahntes Universum. Hat das Auge erst einmal die Fährte der Hochstände aufgenommen, kann die Pirsch beginnen.

Zur Vernissage am 5. Mai 2017 findet auch eine Performance von Julia Lwowski statt. »Das letzte Loch – Teil 3«

→ Internetseite von Paul Mayer
→ Rede von Bodo Baumunk, Berlin anlässlich der Eröffnung der Ausstellung. (PDF, 48,5 KiB)

Schweinesonnen

Ausstellung von
Jörn P. Budesheim, Vera Kattler, Veronika Olma und Armin Rohr
7. April – 3. Mai 2017

Vier Augenblicke

Armin Rohrs Palette in den falschen Händen würde vermutlich nur zu zufälliger Buntheit führen. Armin macht daraus eine Farb- und Bildwelt, die heiter, ironisch und vor allem sehr delikat ist. Wir werden Zeugen von Begegnungen: Rosa trifft Grün, ein Dino einen Akt und die Sprechblase hält den treffendsten Kommentar bereit, den man sich denken kann: blau!

Vera Kattler Maus ist auf den ersten Blick ganz Fell. Ihre Augen sind zwar nicht auf uns gerichtet, aber sie berühren uns dennoch. Den Begriff »Antlitz« haben traditionell für uns selbst reserviert. Es geht in Veras Bildern um jegliche Existenz, die uns entgegenschaut, um die Dialektik von Fremdheit und Vertrautheit ...

Veronika Olmas Hund schaut aus der Tiefe des Bildraums auf Veronikas Malerei, zu der er selbst gehört. Vermutlich wird er im nächsten Moment den Kringeln, über die er im Moment noch zu staunen scheint, hinterherspringen. Das Spiel aus Nähe, Verwandtschaft und Beziehung beginnt. Aber sicher nicht an der kurzen Leine …

Jörn Budesheim präsentiert uns einen Affen. Er würdigt uns nur eines kurzen Blickes im Vorbeigehen. Dass Bildern uns anschauen können, ist ein kleines Wunder – wir sollten nicht verlernen, es zu schätzen. Dass Bilder uns etwas sagen und zeigen können, auch wenn wir meistens nicht wissen was, ebenso ...

Galerina Steiner | Schau Stücke

On the road
Die Poesie der Postapokalypse

Ausstellung von Lara Bandilla
6. Januar – 15. Februar 2017

Was passiert, wenn die Zivilisation zerbricht und die Kulturräume wieder von wuchernder Natur zurückerobert werden? Wenn Straßen als Möglichkeitsräume nur noch im Netzwerk des kollektiven Gedächtnisses bestehen bleiben? Welche Straßen lohnt es sich dann zu gehen? Die Berliner Künstlerin Lara Bandilla zerlegt eine postapokalyptische Welt in Schichten und Wege in Hinweise und Momentaufnahmen. Wenn man ihnen folgt, entfalten sich Stadt-, Fluss- und Sternkarten sowie imaginäre Räume – eine poetische Annäherung an einen Nicht-Ort. Die von Bandilla gezeigte Welt besteht aus überlagerten Elementen der Sprache, des Surrealen und des Alltags, die sich immer wieder auflösen um sich im nächsten Schritt neu zu formen. Welcher Fährte soll man folgen? Der Rezipient muss selbst seinen Weg wählen.

Galerina Steiner | Schau Stücke

Wie schon in Bandillas früherer Arbeit Licht 2009 – 2011, geht es der Künstlerin in On the road erneut um einen fragmentarischen Blick auf die Wirklichkeit – die Straße verbindet und führt durch eine fließende Welt der Möglichkeiten. Physische und mythische Elemente, werden »on the road« ineinander verwoben. Die Künstlerin zerlegt ihre Bilder in unterschiedliche Narrationsebenen, um einen anderen, vielschichtigen Blick auf die Straßen und die Welt um sie herum zu bekommen.

Bandillas Ausstellung On the road. Die Poesie der Postapokalypse zeigt zum ersten Mal Arbeiten aus der Werkreihe Die Strasse 2016.

→ Pressestimmen (PDF)

Schau Stücke

Ausstellung von Thomas Bachler
18. November – 31. Dezember 2016

Thomas Bachler, Dresden zeigt erstmals in Berlin seine neuen Fotoarbeiten mit dem Titel »Schau Stücke«.
In seiner neuen Arbeit greift Thomas Bachler die Form der „Kunst- und Wunderkammer“ aus den historischen Kuriositätenkabinetten wieder auf. Mit einer eigens für diesen Zweck gebauten Fachkamera (Bildformat: 45 x 55 cm) nimmt er Stillleben auf, die lediglich einen einzigen Gegenstand abbilden. Mittels einer akribisch genauen Licht- und Schattensetzung verwischen die Grenzen zwischen Positiv und Negativ. Damit stellt Bachler ein physikalisches Grundprinzip der analogen Fotografie infrage. Im tieferen Sinne geht es ihm aber um das Anliegen, dass sich die Dinge, je intensiver man sie betrachtet und erforscht, sich einer klaren Einordnung entziehen. Alle Arbeiten sind Unikate und werden in dieser Ausstellung erstmals als ganze Serie gezeigt.

Galerina Steiner | Schau Stücke

Inselunendlichkeit

Landschaften. Drei Künstlerinnen.
Ausstellung von Andrea C. Hoffer, Vian Fa
und Susanne S. D. Themlitz.
30. September – 11. November 2016

Erstere lebt und malt oft fern auf einer Insel namens Tobago, die Zweite reiste einst als Kind aus einem fernen Land nach Bonn, mit einer deutschen Mutter und einem kurdischen Vater, die Dritte kam auf der iberischen Halbinsel zur Welt und hinterlässt dort intensiv weiterhin ihre Spuren. Pingpongexistenzen – drei Künstlerinnen mit kontinuierlichen Perspektivverschiebungen.

Landschaften. Melancholie. Entfremdete, fast unwirkliche Welten. Innere Inseln. Oder das Unheimliche. Reisenloses Reisen. Gedankenlandschaften. Gefrorene Zustände. Momente. Schichten. Stränge. Leere und Mehrschichtigkeit. Fragmente, uferlose Makro-Zustände in der Galerina Steiner.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung

Fear and Loathing in GTA V

Ausstellung von Morten Rockford Ravn
5.August – 15.September 2016

Wir leben in einer zunehmend zersplitterten Realität. Es gibt die physische Realität, die digitale Realität, Reality-TV und nun auch noch die virtuelle Realität. Für die Erstellung der Ausstellung »Fear and Loathing in GTA V« wurde deshalb ausschließlich aus der Perspektive des Computerspiels »Grand Theft Auto V« fotografiert, eine der vielschichtigsten virtuellen Umgebungen die jemals erschaffen wurden.

Das Projekt hatte zum Ziel, die wachsende Sorge des Künstlers über das Erstarken der virtuellen Realität durch visuelle Metaphern darzustellen und somit die Entfremdung aufzuzeigen, der wir durch das exponentielle Wachstum technologisierter Prozesse ausgesetzt sind. Schon kurz nach Beginn zog das Projektes aufgrund seiner Aktualität und vielschichtigen Sozialkritik die Aufmerksamkeit renommierter Medien wie der BBC, der ZEIT und der VICE auf sich. Mittlerweile bringen alle großen Tech-Firmen ihre VR Head-Sets auf den Markt, ein Trend der aus millionenschweren Investitionen und rein kommerziellem Interesse entstanden ist. Die VR Renaissance ist auf dem Vormarsch, der Hype hat seinen Höhepunkt erreicht. Die Aktualität und Relevanz zur Gegenwart des Projekts “Fear and Loathing in GTA V” bietet einen Anlass zur Ausstellung und über die Auswirkungen auf unser Leben zu reflektieren.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung

Otto und das Besondere

Ausstellung von Andreas Bausch
15. – 17. Juli 2016

Der in Köln lebende Künstler zeigt Arbeiten aus drei Werkgruppen.

1. FLÜSTERKÄSTEN
Ein zartes Farbleuchten auf der Wand ist zu beachten. Es wird von Leuchtfarben erzeugt, welche auf den Ober- und Unterseiten der Malkörper angebracht sind. Hängt das Bild in Augenhöhe, kann die Leuchtfarbe nicht direkt gesehen werden und man nimmt auf der Wand eine dezente Aura wahr.
Es geht um die Weiterführung und Ergänzung der Malerei von seiner stofflichen Sphäre in die feinstoffliche Sphäre des Lichts.

2. ABWEICHUNGEN VOM LINEAL
Anstelle des Bildes, das angestrebt war, werden hier nur die Hilfsmittel gezeigt, mit denen es bearbeitet wurde: Schablonen, die während der Arbeitsschritte unbemerkt selber zum Bild wurden. Der Zufall zeigt einen Rest von Willen und Anstrengung.

3. BISHER ERSCHIENEN
Antiquarische Bücher werden nach der besonderen Qualität ihrer Titel ausgewählt, um sie mit Malerei und Text in einen eigenständigen Zusammenhang zu führen. Der Text ist häufig ein Anagramm des Titels, das heißt jeder Buchstabe des Titels wird in jeder Zeile zu anderen Wörtern und Sätzen geordnet. Merkwürdig: der neue Text lag schon fertig im Titel, so wie die Skulptur im Stein (man musste ihn bloß freilegen …).

Öffnungszeiten:
Freitag 15. Juli ab 19 Uhr
Samstag 16. Juli von 13 Uhr bis 20 Uhr
Sonntag 17. Juli von 13 Uhr bis 16 Uhr

Der Künstler ist an allen drei Tagen in der Galerie anwesend.

Galerina Steiner | Kleintierhandlung